MIDNIGHT TRAVELLING

2022-04-13T19:01:17+00:00April 8, 2022|5 Kommentare
Ich liebe Flughäfen. Immer schon. Nichts ist romantischer als die Begegnung von Menschen aller Nationen auf einer zeitlosen Insel: Für den einen ist es vielleicht gerade abends, für den anderen würde jetzt die Sonne aufgehen. Sämtliche Sprachen liegen in der Luft, und nur wenige Schritte über den Gang führen zu einer Reise in ein anderes Leben. Herrlich!
And so yesterday. Die Umwelt, Corona, der Ölpreis… es braucht romantisches Umdenken, wenn man mit seinem ökologischen Footprint und Kontostand weiterhin in Harmonie leben will.

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Das Problem beschäftigt mich schon länger, und während Corona hatte man genügend Zeit, zu erleben, wie man sich ohne Flugromantik fühlt. Ich erinnere mich noch gut an dieses Lockdown-Video, wo jemand mit einer Waschmittelflasche und dem Föhn-Geräusch eine Flugzeugkabine nachgestellt hat, mit Aussicht auf den Laptop-Himmel. Ich fühlte mich ihm sehr verbunden. Hätte es den Begriff „Fernweh“ nicht schon gegeben, er wäre in der Coronazeit entstanden. Andererseits tummelten sich ohne Flugverkehr plötzlich Delphine in der Bucht von Venedig, und die Bewohner konnten in Ruhe ihren Kaffee trinken, ungestört von Touristen und ihren Müllbergen. Ein Dilemma.

Und dann kam irgendwann aus dem Nichts die Lösung auf mich zu. Ich entdeckte sie bei Instagram, das mich schon lange besser kennt als ich mich selbst. Mittlerweile speichert es nicht nur meine Gespräche, sondern offensichtlich auch mein Unterbewusstsein ab. Die neue Perspektive für das Reisen der Zukunft heißt Midnight Trains.

Eine Idee, die für neuen Glamour im Schienenverkehr sorgen will und damit genau erkannt hat, was ihm fehlt. Midnight trains will europäische Städte ab 2024 mit einem Nachtzugnetz verbinden — einem Hotel auf Rädern, inspiriert vom Royal Train der englischen Queen oder dem Orient Express. Moderne Nachhaltigkeit mit dem Charme der 1920ger Jahre — Avantgarde meets Nostalgie.

Es macht Sinn, dass diese Idee nicht in Deutschland entstanden ist. Wer hier regelmäßig mit der Bahn fährt, würde niemals auf den Gedanken kommen, das einzige, was Deutschlands Zugverkehr zu seinem Glück noch fehlt, wäre eine Prise Glamour. Die Tatsache, dass das Team von Midnight trains überwiegend aus Franzosen besteht, lässt mich hoffen, dass sie das mit dem Glamour auch richtig hinbekommen.

Grundsätzlich finde ich es eine gute Idee, die Nacht zum Reisen zu nutzen. Nichts ist nervenaufreibender als ein vertrödelter Tag in kurvigen Warteschlangen — und zum Einschlafen ist das rhythmische Geräusch auf Schienen ideal.
Allerdings sollten sie sich bei Midnight Trains auch Gedanken darüber machen, wie sie Passagiere von ihrer Idee begeistern, die gar nicht schlafen wollen.

Wie wäre es beispielsweise mit einer exklusiven Cocktailbar an Bord, inspiriert von den Golden Eagle Luxury Trains? Während man auf der alten Seidenstraße an Schauplätzen von „Doktor Schiwago“ vorbeifährt, spielt abends im Bar Car sogar ein Pianist — stilvoller geht es nicht. Dafür muss jetzt zügig ein europäischer Ersatz entstehen, denn von Moskau nach Peking wird man als Europäer so bald wohl nicht mehr reisen.

Wie wäre es außerdem mit Konzerten und Lesungen zu Mitternacht?
In der Literatur- und Filmwelt spielt die Zugreise schließlich eine zentrale Rolle: Anna Karenina lernt Graf Wronskij am Petersburger Bahnhof kennen, und am Ende wirft sie sich in ihrer Verzweiflung vor einen Zug.
Agatha Christies Mord im Orientexpress ist legendär, die Liebesgeschichte von „Before sunrise“ beginnt auf einer Zugfahrt nach Wien, und in Wes Andersons „Darjeeling limited“
reist man vierzig malerische Minuten lang durch Indien, bis die drei Brüder schließlich aus dem Zug geworfen werden.

Im Grunde könnte eine Zugkreuzfahrt die Schiffskreuzfahrt ablösen. Plötzlich wären alle Städte ein mögliches Traumziel, nicht nur die, die einen Hafen haben — vom Gewinn für die Umwelt einmal abgesehen. Es wäre eine Mischung aus stilvollem Nachtleben auf Schienen und Eindrücken von Rom, Madrid und Paris bei Tag.

In Indien kann man so eine Reise bestens ausprobieren: Der Maharaja Express verbindet indische Metropole und hält für jeden Tag ein anderes Ausflugsprogramm bereit. Zugegeben, in Europa gibt es den Venice-Simplon Orient Express. Er verbindet mittlerweile vierzehn europäische Städte, aber abgesehen von den wirklich sehr luxuriösen Preisen schafft es dieser Zug niemals, allen ehemaligen Flug-und Kreuzfahrtpassagieren ein neues Zuhause zu bieten. Auf europäischen Schienen braucht es dringend Verstärkung.

Ich könnte mir zum Beispiel sehr gut einen Wellness-Zug vorstellen, mit Spa-Bereich, Massageservice, gesunder Küche und Meditationsabteil. Oder einen Kreativ-Zug mit Koch-, Musik- und Handarbeitskursen. Ich sehe Hochzeits- und Geburtstagszüge, Züge für Konferenzen oder Firmenfeiern, Abenteuerzüge mit Krimidinner und live-Verfolgungsjagd über den Zugdächern. Es gäbe einen Zug-Sandmann mit Vorleseservice, einen Abteilzauberer für den Varieté-Zug, und selbstverständlich gäbe es auch einen Weihnachtszug, mit dem man den Weihnachtsmann in seine Heimatstadt Rovaniemi begleiten kann.
Ich liebe Flughäfen. Immer schon. Nichts ist romantischer als die Begegnung von Menschen aller Nationen auf einer zeitlosen Insel: Für den einen ist es vielleicht gerade abends, für den anderen würde jetzt die Sonne aufgehen. Sämtliche Sprachen liegen in der Luft, und nur wenige Schritte über den Gang führen zu einer Reise in ein anderes Leben. Herrlich!
And so yesterday. Die Umwelt, Corona, der Ölpreis… es braucht romantisches Umdenken, wenn man mit seinem ökologischen Footprint und Kontostand weiterhin in Harmonie leben will.

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Und dann kam irgendwann aus dem Nichts die Lösung auf mich zu. Ich entdeckte sie bei Instagram, das mich schon lange besser kennt als ich mich selbst. Mittlerweile speichert es nicht nur meine Gespräche, sondern offensichtlich auch mein Unterbewusstsein ab. Die neue Perspektive für das Reisen der Zukunft heißt Midnight Trains.

Eine Idee, die für neuen Glamour im Schienenverkehr sorgen will und damit genau erkannt hat, was ihm fehlt. Midnight trains will europäische Städte ab 2024 mit einem Nachtzugnetz verbinden — einem Hotel auf Rädern, inspiriert vom Royal Train der englischen Queen oder dem Orient Express. Moderne Nachhaltigkeit mit dem Charme der 1920ger Jahre — Avantgarde meets Nostalgie.

Es macht Sinn, dass diese Idee nicht in Deutschland entstanden ist. Wer hier regelmäßig mit der Bahn fährt, würde niemals auf den Gedanken kommen, das einzige, was Deutschlands Zugverkehr zu seinem Glück noch fehlt, wäre eine Prise Glamour. Die Tatsache, dass das Team von Midnight trains überwiegend aus Franzosen besteht, lässt mich hoffen, dass sie das mit dem Glamour auch richtig hinbekommen.

Grundsätzlich finde ich es eine gute Idee, die Nacht zum Reisen zu nutzen. Nichts ist nervenaufreibender als ein vertrödelter Tag in kurvigen Warteschlangen — und zum Einschlafen ist das rhythmische Geräusch auf Schienen ideal.
Allerdings sollten sie sich bei Midnight Trains auch Gedanken darüber machen, wie sie Passagiere von ihrer Idee begeistern, die gar nicht schlafen wollen.

Wie wäre es beispielsweise mit einer exklusiven Cocktailbar an Bord, inspiriert von den Golden Eagle Luxury Trains? Während man auf der alten Seidenstraße an Schauplätzen von „Doktor Schiwago“ vorbeifährt, spielt abends im Bar Car sogar ein Pianist — stilvoller geht es nicht. Dafür muss jetzt zügig ein europäischer Ersatz entstehen, denn von Moskau nach Peking wird man als Europäer so bald wohl nicht mehr reisen.

Wie wäre es außerdem mit Konzerten und Lesungen zu Mitternacht?
In der Literatur- und Filmwelt spielt die Zugreise schließlich eine zentrale Rolle: Anna Karenina lernt Graf Wronskij am Petersburger Bahnhof kennen, und am Ende wirft sie sich in ihrer Verzweiflung vor einen Zug.
Agatha Christies Mord im Orientexpress ist legendär, die Liebesgeschichte von „Before sunrise“ beginnt auf einer Zugfahrt nach Wien, und in Wes Andersons „Darjeeling limited“ reist man vierzig malerische Minuten lang durch Indien, bis die drei Brüder schließlich aus dem Zug geworfen werden.

Im Grunde könnte eine Zugkreuzfahrt die Schiffskreuzfahrt ablösen. Plötzlich wären alle Städte ein mögliches Traumziel, nicht nur die, die einen Hafen haben — vom Gewinn für die Umwelt einmal abgesehen. Es wäre eine Mischung aus stilvollem Nachtleben auf Schienen und Eindrücken von Rom, Madrid und Paris bei Tag.

In Indien kann man so eine Reise bestens ausprobieren: Der Maharaja Express verbindet indische Metropole und hält für jeden Tag ein anderes Ausflugsprogramm bereit. Zugegeben, in Europa gibt es den Venice-Simplon Orient Express. Er verbindet mittlerweile vierzehn europäische Städte, aber abgesehen von den wirklich sehr luxuriösen Preisen schafft es dieser Zug niemals, allen ehemaligen Flug-und Kreuzfahrtpassagieren ein neues Zuhause zu bieten. Auf europäischen Schienen braucht es dringend Verstärkung.

Ich könnte mir zum Beispiel sehr gut einen Wellness-Zug vorstellen, mit Spa-Bereich, Massageservice, gesunder Küche und Meditationsabteil. Oder einen Kreativ-Zug mit Koch-, Musik- und Handarbeitskursen. Ich sehe Hochzeits- und Geburtstagszüge, Züge für Konferenzen oder Firmenfeiern, Abenteuerzüge mit Krimidinner und live-Verfolgungsjagd über den Zugdächern. Es gäbe einen Zug-Sandmann mit Vorleseservice, einen Abteilzauberer für den Varieté-Zug, und selbstverständlich gäbe es auch einen Weihnachtszug, mit dem man den Weihnachtsmann in seine Heimatstadt Rovaniemi begleiten kann.

Ich habe meine Phantasien einer Freundin erzählt, die ihr Leben mit Management und Geld verbringt, und sie hat etwas zurückhaltend reagiert. Naja, sie ist eben keine Französin. Ich bin sicher, wenn das schneidige Team von Midnight Trains von meinen Ideen erfährt, werden sie sich umgehend an die Arbeit machen. Vielleicht steigen sie auch einfach in den Hogwarts Express und erlernen das Zaubern — bis 2024 ist ja noch ein bisschen Zeit.

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Ich habe meine Phantasien einer Freundin erzählt, die ihr Leben mit Management und Geld verbringt, und sie hat etwas zurückhaltend reagiert. Naja, sie ist eben keine Französin. Ich bin sicher, wenn das schneidige Team von Midnight Trains von meinen Ideen erfährt, werden sie sich umgehend an die Arbeit machen. Vielleicht steigen sie auch einfach in den Hogwarts Express und erlernen das Zaubern — bis 2024 ist ja noch ein bisschen Zeit.

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5 Kommentare

  1. Dani April 8, 2022 um 11:16 am Uhr - Antworten

    Ich hoffe wir sehen uns bald im Wellness-Zug von Berlin nach Istanbul 🙂

  2. Meta April 8, 2022 um 12:44 pm Uhr - Antworten

    Da bin ich auch gerne dabei- im Wellness-Zug irgendwo zwischen Berlin und Istanbul!
    Weiterso- ich liebe Deine Geschichten!

    • Eva Freitag Mai 7, 2022 um 6:31 pm Uhr - Antworten

      Merci Meta xxx den Wellness-Zug müssen die Franzosen unbedingt verwirklichen!! :))

  3. Uwe April 8, 2022 um 1:55 pm Uhr - Antworten

    Was für eine schöne Idee- sowohl der Blog als auch dieser Text, Ich freue mich schon auf das Weiterstöbern 🤗😊

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