LOVELY ANIMALS

2022-10-28T17:41:32+00:00Oktober 28, 2022|0 Kommentare
Spätestens seit Corona hat jeder unzählige Katzenvideos gesehen. Fluffige Fellkugeln, die über den Boden toben, Katzen mit empörten Buckel, in die Luft springende Katzen, in der Waschmaschine versteckte Katzen… Verzückt verfolgen wir die Bonsai-Raubtiere, weil sie bei allem, was sie tun, so viel eleganter aussehen als wir. Natürlich gibt es nicht nur Katzenvideos, sondern auch Videos mit sprechenden Hunden, intelligenten Raben, die Dinge unter einem Hut wiederfinden, Pferden, die Ball spielen und Tiger, die Purzelbäume schlagen. Fast alle Menschen lieben Tiere, und viele gründen mit ihnen irgendwann in eine Lebensgemeinschaft.

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Nach meiner Beobachtung gibt es dann zwei Arten der Beziehung: In der einen wird das Tier nach und nach zum Mensch, in der anderen versucht der Mensch, emphatisch und tiergerecht zu sein. Die meisten interessieren sich für die erste Variante – besonders für den Hund ist sie inzwischen maximal durchkommerzialisiert. Es gibt Hunde-Friseure, Hunde-Schwimmbäder, Hunde-Schmuck, Hunde-Bademäntel, Hunde-Geburtstagstorten, Hunde-Adventskalender, für Welpen ein Plüsch-Herzschlag-Schaf, hunderte von Halsband- und Leinendesigns, gar nicht zu sprechen von der Vielfalt an Hundekörben und Fressnäpfen. Manche Hunde werden regelmäßig zur Hundeschule gebracht, ähnlich wie Kinder zum Flöten-, Ballett- oder Tennisunterricht. Manche haben sogar einen richtigen Beruf: Polizeihund, Blindenhund, Drogen-Schnüffelhund.

Natürlich spielen auch andere Tiere eine Rolle für den Menschen, und für alle kann man überflüssige Accessoires einkaufen. Darüber hinaus kümmern sich die Tierhalter mehr oder weniger erfolgreich um die Erziehung ihres Lieblings. Hunde sind hier besonders schlimm dran. Basics wie „Sitz“, „Platz“ oder „Aus“ sind bei Weitem nicht genug: Sie sollen Pfötchen geben, sich tot stellen, auf Fragen mit Bellen antworten, Dinge herbringen und vor allem: nicht jagen! Katzen sind da rebellischer veranlagt, weshalb ihre Besitzer meist irgendwann aufgeben. Hunde aber werden ihr Leben lang belästigt, und weil sie dafür mehr Geduld aufbringen als die meisten anderen Tiere, werden sie für ihre Kooperationsbereitschaft gerühmt.

Natürlich hat auch die Filmindustrie schon lange ihr Geschäft mit der menschlichen Sehnsucht nach Tierfreunden gemacht. Leider hat sie uns in dieser Hinsicht vollkommen verdorben: Flipper, Fury, Lassie, Babe… ein Kindertraum, besser gesagt, Kinder-Illusion, denn die Filmtiere hat es so natürlich nie gegeben. Am Flipper-Set gab es mindestens drei Delfine im Wechsel, die Hündin Lassie wurde von Rüden dargestellt, weil die volleres Fell haben, und Fury wiederum wurde von demselben Hengst gespielt, der auch Black Beauty darstellte. Das ist desillusionierend, aber viel schlimmer ist, dass die Tiere bei solchen Aufnahmen extrem strapaziert werden und das Ganze nicht im mindesten so genießen wie wir Zuschauer. Ein Flipper-Delfin soll sogar Selbstmord begangen haben.

Es macht also wesentlich mehr Sinn, wenn sich der Mensch dem Tier annähert. Inzwischen gibt es genügend Forschungserkenntnisse zu diesem Thema — besonders revolutioniert wurde die Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Anstatt das Tier mit Sattel und Gebiss im Maul zu Ballett-ähnlichem Tanzen oder über hohe Hindernisse zu zwingen, kann man es zur freiwilligen Zusammenarbeit einladen. Es gibt Pferde, die nur auf Handzeichen die Gangart oder die Richtung wechseln und aus großer Entfernung angelaufen kommen, wenn man sie ruft. Mein Lieblingsvideo ist dieses Mädchen auf Rollerblades, neben dem ein schwarzer Hengst galoppiert. Er verschwindet ab und zu im angrenzenden Wald und taucht dann völlig selbstständig wieder neben ihr auf. Der gemeinsame Ausflug der beiden wirkt wie das perfekte Glück.

Auch Hunde können in den Genuss dieser Freiheit kommen. Meine Freundin Julia beispielsweise erzieht ihren Hund Mirko auf Augenhöhe — er hat bei allem, was sie von ihm will, ein Mitspracherecht. Die beiden verstehen sich blendend, nur die Umwelt hat mit diesem Ansatz manchmal ein Problem.
„Hört Ihr Hund überhaupt auf Sie?!“ wurde sie neulich empört im Park gefragt.
Das kommt drauf an.“
„Wie?“
„Naja, haben Sie nicht auch mal einen schlechten Tag?“

Obwohl Mirko der freundlichste, anhänglichste und harmloseste Hund der Welt ist, wird von militanten Spaziergängern erwartet, dass er sich irgendwelchen Befehlen unterwirft. Beziehungen auf Augenhöhe sind den meisten Menschen eben suspekt. Ganz anders sind hingegen die Freundschaften der Tiere untereinander. Es gibt Bilder von Katzen, die mit Hunden schmusen, Huskies, die mit Gänsen im selben Becken baden, Kühe, über deren Kopf ein Papagei spaziert, Kängurus, die Katzenbabies im Beutel tragen, und Braunbären und Löwen, die friedlich nebeneinander in der Sonne liegen. In meinem Reitstall gab es auch einen Ziegenbock, der mit der Ponystute „freche Erbse“ befreundet war. Jeden Abend ging er zum Schlafen in ihre Box, und im Sommer besuchte er sie auf der Weide.

Offensichtlich können sich Tiere trotz aller Unterschiede mögen, und zwar ohne sich gegenseitig erziehen, belehren oder ändern zu wollen. Bei besonderer Sympathie wird der Jagdinstinkt begraben und das Futter geteilt. Manche Tiere haben sogar ganz freiwillig Zeit für die Menschen, so wie letztes Jahr dieser Seehund an der Nordsee. Er posierte am Ufer für das erstaunte Strandpublikum, fast sah es aus, als mache er Yoga. Er erwartete von niemanden eine Belohnung und besaß keinerlei Seehundspielzeug. Zum Schluss winkte er uns zu und begab sich einfach zurück ins Meer.

Spätestens seit Corona hat jeder unzählige Katzenvideos gesehen. Fluffige Fellkugeln, die über den Boden toben, Katzen mit empörten Buckel, in die Luft springende Katzen, in der Waschmaschine versteckte Katzen… Verzückt verfolgen wir die Bonsai-Raubtiere, weil sie bei allem, was sie tun, so viel eleganter aussehen als wir. Natürlich gibt es nicht nur Katzenvideos, sondern auch Videos mit sprechenden Hunden, intelligenten Raben, die Dinge unter einem Hut wiederfinden, Pferden, die Ball spielen und Tiger, die Purzelbäume schlagen. Fast alle Menschen lieben Tiere, und viele gründen mit ihnen irgendwann in eine Lebensgemeinschaft.

Nach meiner Beobachtung gibt es dann zwei Arten der Beziehung: In der einen wird das Tier nach und nach zum Mensch, in der anderen versucht der Mensch, emphatisch und tiergerecht zu sein. Die meisten interessieren sich für die erste Variante – besonders für den Hund ist sie inzwischen maximal durchkommerzialisiert. Es gibt Hunde-Friseure, Hunde-Schwimmbäder, Hunde-Schmuck, Hunde-Bademäntel, Hunde-Geburtstagstorten, Hunde-Adventskalender, für Welpen ein Plüsch-Herzschlag-Schaf, hunderte von Halsband- und Leinendesigns, gar nicht zu sprechen von der Vielfalt an Hundekörben und Fressnäpfen. Manche Hunde werden regelmäßig zur Hundeschule gebracht, ähnlich wie Kinder zum Flöten-, Ballett- oder Tennisunterricht. Manche haben sogar einen richtigen Beruf: Polizeihund, Blindenhund, Drogen-Schnüffelhund.

Natürlich spielen auch andere Tiere eine Rolle für den Menschen, und für alle kann man überflüssige Accessoires einkaufen. Darüber hinaus kümmern sich die Tierhalter mehr oder weniger erfolgreich um die Erziehung ihres Lieblings. Hunde sind hier besonders schlimm dran. Basics wie „Sitz“, „Platz“ oder „Aus“ sind bei Weitem nicht genug: Sie sollen Pfötchen geben, sich tot stellen, auf Fragen mit Bellen antworten, Dinge herbringen und vor allem: nicht jagen! Katzen sind da rebellischer veranlagt, weshalb ihre Besitzer meist irgendwann aufgeben. Hunde aber werden ihr Leben lang belästigt, und weil sie dafür mehr Geduld aufbringen als die meisten anderen Tiere, werden sie für ihre Kooperationsbereitschaft gerühmt.

Natürlich hat auch die Filmindustrie schon lange ihr Geschäft mit der menschlichen Sehnsucht nach Tierfreunden gemacht. Leider hat sie uns in dieser Hinsicht vollkommen verdorben: Flipper, Fury, Lassie, Babe… ein Kindertraum, besser gesagt, Kinder-Illusion, denn die Filmtiere hat es so natürlich nie gegeben. Am Flipper-Set gab es mindestens drei Delfine im Wechsel, die Hündin Lassie wurde von Rüden dargestellt, weil die volleres Fell haben, und Fury wiederum wurde von demselben Hengst gespielt, der auch Black Beauty darstellte. Das ist desillusionierend, aber viel schlimmer ist, dass die Tiere bei solchen Aufnahmen extrem strapaziert werden und das Ganze nicht im mindesten so genießen wie wir Zuschauer. Ein Flipper-Delfin soll sogar Selbstmord begangen haben.

Es macht also wesentlich mehr Sinn, wenn sich der Mensch dem Tier annähert. Inzwischen gibt es genügend Forschungserkenntnisse zu diesem Thema — besonders revolutioniert wurde die Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Anstatt das Tier mit Sattel und Gebiss im Maul zu Ballett-ähnlichem Tanzen oder über hohe Hindernisse zu zwingen, kann man es zur freiwilligen Zusammenarbeit einladen. Es gibt Pferde, die nur auf Handzeichen die Gangart oder die Richtung wechseln und aus großer Entfernung angelaufen kommen, wenn man sie ruft. Mein Lieblingsvideo ist dieses Mädchen auf Rollerblades, neben dem ein schwarzer Hengst galoppiert. Er verschwindet ab und zu im angrenzenden Wald und taucht dann völlig selbstständig wieder neben ihr auf. Der gemeinsame Ausflug der beiden wirkt wie das perfekte Glück.

Auch Hunde können in den Genuss dieser Freiheit kommen. Meine Freundin Julia beispielsweise erzieht ihren Hund Mirko auf Augenhöhe — er hat bei allem, was sie von ihm will, ein Mitspracherecht. Die beiden verstehen sich blendend, nur die Umwelt hat mit diesem Ansatz manchmal ein Problem.
„Hört Ihr Hund überhaupt auf Sie?!“ wurde sie neulich empört im Park gefragt.
„Das kommt drauf an.“
„Wie?“
„Naja, haben Sie nicht auch mal einen schlechten Tag?“

Obwohl Mirko der freundlichste, anhänglichste und harmloseste Hund der Welt ist, wird von militanten Spaziergängern erwartet, dass er sich irgendwelchen Befehlen unterwirft. Beziehungen auf Augenhöhe sind den meisten Menschen eben suspekt. Ganz anders sind hingegen die Freundschaften der Tiere untereinander: Es gibt Bilder von Katzen, die mit Hunden schmusen, Huskies, die mit Gänsen im selben Becken baden, Kühe, über deren Kopf ein Papagei spaziert, Kängurus, die Katzenbabies im Beutel tragen, und Braunbären und Löwen, die friedlich nebeneinander in der Sonne liegen. In meinem Reitstall gab es auch einen Ziegenbock, der mit der Ponystute „freche Erbse“ befreundet war. Jeden Abend ging er zum Schlafen in ihre Box, und im Sommer besuchte er sie auf der Weide.

Offensichtlich können sich Tiere trotz aller Unterschiede mögen, und zwar ohne sich gegenseitig erziehen, belehren oder ändern zu wollen. Bei besonderer Sympathie wird der Jagdinstinkt begraben und das Futter geteilt. Manche Tiere haben sogar ganz freiwillig Zeit für die Menschen, so wie letztes Jahr dieser Seehund an der Nordsee. Er posierte am Ufer für das erstaunte Strandpublikum, fast sah es aus, als mache er Yoga. Er erwartete von niemanden eine Belohnung und besaß keinerlei Seehundspielzeug. Zum Schluss winkte er uns zu und begab sich einfach zurück ins Meer.

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